Interview mit Katharina Walter Carrapa

Hallo Katharina, stell dich unseren Lesern doch bitte einmal vor.

 

Katharina W. CarrapaIch bin Katharina, 34 Jahre alt und verheiratet mit Daniel. Ursprünglich komme ich aus Bamberg in Oberfranken, habe dann aber an wirklich vielen unterschiedlichen Orten gelebt und gearbeitet. Die spannendsten Orte waren Argentinien und ein Sioux-Indianerreservat in den USA.

Die längste Zeit habe ich allerdings bei Berlin verbracht und von dort aus ging dann auch das Abenteuer New York los. Von Beruf bin ich gelernte Fremdsprachenkorrespondentin, habe aber später evangelische Theologie studiert, um als Pastorin in einer Kirchengemeinde zu arbeiten. Als wir nach NY gekommen sind wollte ich mich noch mal ganz neu und anders ausprobieren und habe mich selbstständig gemacht.

 

 

Wie lang lebst du schon in New York und warum hast du dir genau diese Stadt als Ziel deiner Auswanderung ausgesucht?

 

Wir sind im September 2014, also vor ca. 2 1/4 Jahren nach New York gekommen. Da wir über die Arbeitsstelle meines Mannes in die USA gekommen sind, gab es als Auswahl für ihn New York, London oder Singapur und da ich umbedingt in die USA wollte, haben wir uns natürlich für New York entschieden.

Keiner von uns beiden war vorher jemals in New York gewesen. Für Daniel war es sogar das erst Mal in den USA überhaupt. Da waren wir beide sehr wagemutig unterwegs, denn New York City ist schon ein Abenteuer für sich!

 

 

Was war der Grund dafür, dass du Deutschland den Rücken gekehrt hast?

 

„Den Rücken gekehrt haben“ hört sich so hart an, das empfinde ich eigentlich gar nicht so. Ich habe nie gedacht „ich will/muss weg aus Deutschland“, sondern es hat mich viel eher hingezogen in die USA. Das war emotional total pregnant und erst habe ich die Gefühle gar nicht erlauben können, weil ich mir gedacht habe „Du spinnst doch! Wie soll das denn funktionieren in die USA zu gehen?!“

An zwei Momente erinnere ich mich noch deutlich, die gut zeigen wie ich damals (2013) drauf war. Wir sind nach Weihnachten auf dem Rückweg von Bamberg nach Berlin gewesen und an der Autobahn sah ich ein American Diner leuchten und dachte mir „da musst du jetzt hin!“. So als wäre das wie ein Anker, den ich ergreifen müsste. Ich wollte so nah an Amerika dran sein wie möglich und schlussendlich waren wir dort dann auch zum Abendessen. Das Diner hatte so tolle Plastikbänke in rot, wie man das aus den 50er Jahre Filmen kennt. In dem Diner war dann für kurze Zeit meine USA-Sehnsucht gestillt.

Und über die nächsten Wochen wurde es schlimmer. So schlimm, dass wir die Serie Big Bang Theory geschaut haben und mir die Tränen kamen, als sie über die Einkaufskette 7Eleven gesprochen haben. Echt mega krass! Ich glaube das war auch, weil ich so am Rande des Wahnsinns wegen meiner Masterarbeit war und so urlaubsreif. Wisst ihr, wie das ist, wenn das Fass schon zum Überlaufen voll ist und dann reicht schon ein Tropfen und alles schwappt über den Rand. Und das war bei mir dann wohl der Spruch mit dem 7Eleven.

Warum diese Amerika-Sehnsucht da war, kann ich nicht mal sagen. Ich habe 2009/10 für sieben Monate in Chicago und South Dakota gelebt und gearbeitet und da wurde wahrscheinlich irgendwie die Grundlage geschaffen, dass ich wieder zurück in dieses Land wollte. Deshalb war der Grund wohl mein Herz und die Sehnsucht darin und das habe ich dann nach dem spontanen Tränen auch ernst genommen.

 

 

Hast du manchmal Heimweh nach Deutschland? Wenn ja, was tust du dagegen?

 

Ja, ab und zu habe ich Heimweh nach Deutschland – nach meinen langjährigen Freunden und meiner Familie und auch nach der deutschen Kultur. In der Vorweihnachtszeit kommt das immer am stärksten auf. Mir fehlen dann die deutschen Weihnachtsmärkte, wo man mit Freunden eng nebeneinander steht und sich die Hände an der Tasse mit Glühwein wärmt und über Gott die Welt quatscht.

Weihnachtsmärkte gibt es auch in New York, aber die sind schon anders, als was ich aus Deutschland kenne. Die Leute tummeln sich da nicht in Grüppchen um den Glühweinstand, weil Glühwein dort gar nicht erlaubt ist (Alkoholverbot in der Öffentlichkeit). Deshalb gebe ich mich mit den Alternativen zufrieden, zum Beispiel dem Weihnachtsmarkt am Columbus Circle, der einen Stand mit Bratwurstbrötchen hatte und einen mit Kinderpunsch.

Manchmal vermisse ich auch den deutschen Humor und dann höre ich mir Mario Barth, Eckhart von Hirschhausen, Michael Mittermeier und wie sie alle heißen an und lache über Witze, die nur deutsche Muttersprachler witzig finden.

 

 

Nenne uns doch bitte einmal 3 Dinge, die du an New York liebst und 3 Dinge, auf die du auch gut verzichten könntest.

 

Ich liebe es, dass New York City so vielseitig ist. So viele unterschiedliche Kulturen, Religionen, Hautfarben, Kleidungsstile. Das finde ich total spannend und das fasziniert mich. Es gibt Menschen, wie du und ich und dann auch wieder Menschen, die man aus dem Fernsehen kennt (ab und zu läuft man an ihnen vorbei *verrückt ist das*). Jeder darf sein und alle machen die Vielseitigkeit dieser Stadt aus.

Ich liebe es auch, dass New York City alte und neue Gebäude hat und auch alles dazwischen. Der Kontrast von einem Juwel, wie dem Grand Central Terminal mit seiner Architektur und dann in der selben Straße das Chrysler Building, das so modern und innovativ ist. Toll, dass das Alte da bleiben darf, das Charakter und Würde bringt, aber auch das Neue und Moderne seinen Raum bekommt und dadurch Platz für neue Ideen macht.

 

Grand Central Terminal

Grand Central Terminal

 

Ich liebe auch, dass diese Stadt ein unendliches Kontingent an Kultur bietet. Sightseeingmöglichkeiten, Museen, Theater, Musicals, Parks etc. – egal was man für ein Typ von Mensch ist, man wird etwas für sich finden. Deshalb ist New York City auch nicht eine Stadt, die man nur einmal besuchen kann, sondern immer wieder. Beim ersten Mal sieht man Attraktionen, wie die Freiheitsstatue, das Empire State Building, den Central Park und den Times Square und beim nächsten Mal gibt es noch so viel mehr was auch sehens- und erlebenswert ist. Man lernt nie aus und kann seinen Horizont dadurch ungemein erweitern und das, obwohl man nur eine Stadt besucht!

Verzichten könnte ich auf den Verkehrslärm, ganz besonders der vielen Sirenen, und die stickigen und laut ratternden U-Bahnen. Auch die Berge an Müll, die täglich produziert werden und überall auf den Gehwehen rumliegen finde ich nicht so schön. Je nach dem wie anstrengend mein Tag war, strengen mich die vielen Menschenmassen an. Da würde ich mich dann lieber nach Ruhe und Abgeschiedenheit sehnen, aber muss trotzdem in die volle U-Bahn. Doch mit all diesen Mankos lernt man hier umzugehen.

 

 

Womit verdienst du in New York deine Brötchen?

 

Ich mache ganz unterschiedliche Dinge, teilweise zum Brötchen verdienen, teilweise als kostenlosen Mehrwert für andere Menschen.

Letzteres geschieht auf meinem Blog, auf dem ich über unser Leben in New York erzähle und viele Bilder zeige und auf den ihr ganz herzlich eingeladen seid auch mal vorbeizuschauen (www.heartfullydone.com/blogdeutsch).

Des Weiteren stelle ich hanggemachte Karten her, die ich verkaufe. Zudem gebe ich Workshops, in denen ich jung wie alt beibringe selbst Karten oder Home Decor zu machen.

Und dann habe ich noch eine Lizenz als Wedding Officiant und traue Paare, die sich in New York City das Ja-Wort geben wollen. Da war mein Highlight eine Trauung, die oben auf dem Rockefeller Center im 70. Stock war. Ein Highlight für das Brautpaar und für mich natürlich auch! 🙂

 

Zurzeit entwickeln sich aber grade noch neue Sachen von denen ich mir hoffentlich bald auch ein paar Brötchen (oder hier wohl eher Bagels) kaufen kann. Dabei wird auch mein Studium als evangelische Theologin zum Zuge kommen, was ich toll finde, weil mir das auch am Herzen liegt.

 

Und ich würde auch so gerne noch Menschen beraten und coachen. An sich selbst zu glauben, optimistisch zu sein und wirklich zu träumen. So viele Leute wollen gerne nach New York kommen, aber trauen sich nicht und das finde ich so schade. Egal, ob es für euch New York City ist oder etwas anderes: Traut euch! Seid mutig und probiert es aus!

 

An dieser Stelle muss ich jetzt aber auch ganz ehrlich sagen, dass ich es schwer hätte hier mit meinem unregelmäßigen Gehalt zu (über)leben. New York ist eine sehr teure Stadt und ein regelmäßiges Einkommen schenkt sehr viel Frieden. Deshalb großer Dank an meinen Mann Daniel, der ein regelmäßiges Einkommen hat und mir dadurch ermöglicht an meiner Selbständigkeit zu arbeiten!

 

 

Auf www.heartfullydone.com betreibst du dein Unternehmen. Was kann man denn dort entdecken?

 

Wie bereits oben erwähnt kann man dort meinen Blog entdecken, den ich jeweils auf Deutsch und Englisch schreibe und den jeder kostenlos abonnieren kann. Hier erzähle ich ganz persönlich von meinen Eindrücken über New York City und auch wie die Reise vor über zwei Jahren los gegangen ist. Ich teile die Höhen und Tiefen und versuche dabei so authentisch wie möglich zu sein, denn nur weil ich jetzt in NYC lebe, ist mein Leben noch lange nicht perfekt, auch wenn es nach außen hin so unglaublich aufregend wirkt.

Auf meiner Webseite findet man unter der Rubrik „Classes“ die unterschiedlichen Workshops, die ich zurzeit im Angebot habe. Das heißt jeder der in New York City zu Besuch ist und Lust hat mich kennenzulernen und mit mir basteln zu lernen, der ist herzlich Willkommen! Von meiner Wohnung hat man auch einen schönen Blick aufs Empire State Building, deshalb hat ein Workshop bei mir auch immer ein bisschen Sightseeing inklusive. 😉

Unter der Rubrik „Gallery“ und „Custom“ können sich Bastelbegeisterte Ideen holen für unterschiedliche Anlässe, wie Geburtstag, Hochzeit, Baby, Weihnachten und vieles mehr.

 

 

Verrate unseren Lesern doch bitte einmal deine 3 persönlichen Lieblingsplätze in New York.

 

Zu allererst muss ich sagen, dass ich in New York ständig neue Plätze kennenlerne und deshalb verwandeln sich meine Lieblingsplätze auch immer mal wieder. Zur Zeit sind das meine Highlights:

1. Unsere Wohnung – klein aber fein und mit Blick aufs Empire State Building. I just love it!

2. Patrick’s Cathedral – meiner Meinung nach eine der schönsten Kirchen der Welt, egal ob man Kirchgänger ist oder nicht, weil es einfach ein beeindruckendes Bauwerk ist.

 

St. Patrick's Cathedral

St. Patrick’s Cathedral

 

3. Roosevelt Island – die kleine Insel liegt im East River zwischen Queens und Manhattan und man kann dort spazieren gehen und hat eine tolle Sicht auf Manhattans Skyline. Toll ist auch die Seilbahn von Roosevelt Island rüber nach Manhattan zu nehmen. Das kostet nur eine Fahrt mit der MetroCard und wenn man den 7-Day-Pass hat, dann nichts zusätzlich.

 

Roosevelt Island Seilbahn

Roosevelt Island Seilbahn

 

Ich danke euch ganz herzlich für eure Aufmerksamkeit! Vor allem denjenigen, die bis zum Schluss gelesen haben. 🙂 Wenn ihr in der City seid und zu einem Workshop vorbeikommen wollt, dann schreibt mir sehr gerne an katharina@heartfullydone.com. Ich freue mich immer darauf neue Leute kennenzulernen!

 

Ganz herzliche Grüße aus New York City!

eure Katharina